100 Fragen zu Corona2021-06-02T18:26:05+02:00
Welche Wirtschaftssektoren gehören zu den Gewinnern und Verlierern der Pandemie?2021-11-08T05:20:22+01:00

Zu den Gewinnern zählt primär der Onlinehandel, der vom Lockdown massiv profitiert hat – die Konsumenten bleiben von den Einkaufsstraßen fern und kauften stattdessen online ein. Auch viele Lebensmittelhändler, die neben Lebensmittel andere Produktgruppen verkauften, haben durch die fehlende Konkurrenz profitiert. Weiterer Gewinner ist die Digitalisierungsbranche, denn viele Unternehmen waren plötzlich auf digitale Kanäle angewiesen. Besonders sind hier Unternehmen zu nennen, die Videokonferenz-Software anbieten. Der Sektor der Online-Bildung ist ebenfalls zu den großen Gewinnern der Pandemie zu zählen. Zukunftsweisend war außerdem mit Sicherheit die wachsende Bedeutung des Gesundheitswesens – hier ist nicht nur aufgrund der Demographie mit einer längerfristigen Entwicklung zu rechnen.

Zu den größten Verlierern zählt der Tourismus mitsamt Flugverkehr – beides kam mit dem Lockdown praktisch völlig zum Erliegen. Damit verbundene Branchen wie die Gastronomie und Hotellerie gehörten ebenfalls zu den Verlierern der Pandemie. Auch körpernahe Dienstleister konnten ihrer Beschäftigung nicht nachgehen und sind deshalb hier zu nennen. Traditionelle Einkaufscenter bzw. Läden mussten ebenfalls zusperren und auf ihre Umsätze verzichten. Außerdem zählen auch Vermieter zu den Verlierern der Pandemie, und hier vor allem solchen im gewerblichen Bereich, weil die Nachfrage nach Büroflächen aufgrund des Home-Office-Trends eingebrochen ist.

Was sind die Gründe dafür, dass viele Unternehmen auf eine solche Krise nicht ausreichend vorbereitet waren?2021-11-08T05:20:24+01:00

Ein wesentliches Problem, das man in der Krise klar gesehen hat, ist, dass viele Unternehmen ein geringes Eigenkapital aufweisen. Der Grund hierfür liegt in der Steuerpolitik: Es gilt eine steuerliche Ungleichbehandlung von Fremd- und Eigenkapital. Die höhere Besteuerung von Eigenkapital im Vergleich zu Fremdkapital führt dazu, dass es für Unternehmen rentabler ist, die Eigenkapitalquote zu reduzieren. Das wiederum führt zu einer größeren Vulnerabilität der Unternehmen in Krisensituationen.

Ein weiteres Problem ist die allgemein hohe Abgabenbelastung, die dafür sorgt, dass Unternehmen oftmals auch nicht in der Lage sind, ausreichende Reserven aufzubauen. Außerdem gibt es oft kulturelle und politische Erwartungen, die den Anreiz, solche Reserven aufzubauen, schwächen. Ein gutes Beispiel liefert die Systemrelevanz: Wenn Unternehmen erwarten, dass sie im Falle von Problemen von den Steuerzahlern gerettet werden, werden sie nur wenige Reserven aufbauen. Vielen Unternehmen fehlte außerdem entweder die Bereitschaft oder die technischen Voraussetzungen, ihren Mitarbeitern Home-Office zu ermöglichen – auch diese waren für diese Krise ungenügend vorbereitet.

Was bedeutet der Zusammenbruch von Lieferketten als Folge der Lockdowns?2021-11-08T05:20:26+01:00

Der Zusammenbruch der Lieferketten führt dazu, dass zahlreiche Güter nicht produziert werden können, weil Inputgüter, welche für die Produktion benötigt werden, fehlen. Weil oftmal auch diese Güter, die aufgrund von fehlenden Inputs nicht produziert werden können, als Inputs für andere Güter benötigt werden, entsteht nach und nach eine Güterknappheit auf allen Ebenen, was schließlich zu Preissteigerungen führen kann. Verschärft wird das noch dadurch, dass die Lieferketten nicht nur zusammengebrochen sind, sondern nun oftmal desynchronisiert sind. Während ein Land den Lockdown verlässt, verhängt ein anderes Land gerade einen neuen Lockdown – so kommt es zu andauernden Störungen der Lieferketten.

Was bedeutet die Krise für Entwicklungsländer?2021-11-08T05:20:28+01:00

Entwicklungsländer stehen beim Kampf gegen die Pandemie vor schwierigen Entscheidungen. Wenn restriktive Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie getroffen werden, reduziert sich die Wirtschaftsleistung und damit die finanziellen Ressourcen, die langfristig für den Kampf gegen die Armut dringend benötigt werden – beispielsweise für Investitionen in Bildung oder in Infrastruktur. Entwicklungsländer sind auch deshalb besonders betroffen, weil die Reaktion auf die Pandemie in den entwickelten Ländern zu einer deutlich geringeren Nachfrage für die exportierten Güter geführt hat. Das gilt vor allem im Bereich der Rohstoffe: Viele Entwicklungsländer sind für die eigene wirtschaftliche Entwicklung sehr stark auf den Export dieser Rohstoffe angewiesen. Eine sinkende Nachfrage und ein deshalb sinkender Preis trifft diese Länder daher stark. Aufgrund der wegbrechenden Einnahmen und der schwächeren wirtschaftlichen Entwicklung nimmt die Wahrscheinlichkeit einer Zahlungsunfähigkeit in den Entwicklungsländern stark zu.

Was bedeutet die Krise für die zukünftigen Immobilienpreise?2021-11-08T05:20:30+01:00

Immobilien waren im bisherigen Verlauf der Krise einer der Preistreiber. Grund dafür war primär die Flucht ins “Betongold” als Reaktion auf Inflationsängste nach einer dramatisch ausgeweiteten Geldmenge. Es spricht jedoch einiges dafür, dass diese Entwicklung nicht so weiter geht – vor allem in Städten. Der Trend hin zum Home-Office wird tendenziell eine Abwanderung aus Großstädten in weniger besiedelte Gebiete auslösen. Hierdurch kommt es vermehrt zu Leerständen. Auch Büroflächen werden weniger benötigt, was zu noch mehr Leerständen führt. Das wiederum sorgt für sinkende Preise in Städten. Außerdem trifft das nun mit der Flucht ins “Betongold” erhöhte Immobilienangebot auf eine mittelfristig aufgrund des demographischen Wandels schrumpfende Bevölkerung, was ebenfalls ein sinkendes Preisniveau nahelegt. Es ist jedoch die Preisentwicklung schwierig vorherzusagen, weil sie wesentlich von der Geldpolitik abhängt. Wenn hohe Inflationsraten in Kauf genommen werden, ist es möglich, dass die Immobilienpreise in den nächsten Jahren weiterhin stark ansteigen.

Ist diese Krise in wirtschaftlicher Hinsicht primär eine Angebots- oder Nachfragekrise?2021-11-08T05:20:33+01:00

Das ist schwierig zu sagen, am ehesten handelt es sich sowohl um eine Angebots- als auch um eine Nachfragekrise. Für eine Angebotskrise spricht, dass im Rahmen des Lockdowns und aufgrund eines Zusammenbruchs sowie einer Desynchronisierung der Lieferketten weniger produziert werden konnte. Diverse Güter können auch nicht oder nur schlecht über längere Zeit gelagert werden oder überhaupt nicht auf Lager produziert werden, sodass bei diesen Gütern das Angebot stark absinkt. Für eine Nachfragekrise spricht, dass im Rahmen der Krise Arbeitsplätze verloren gingen und eine hohe Unsicherheit durch mögliche Lockdowns und andere Maßnahmen herrscht. Dadurch gibt es einen hohen Anreiz, Vermögen anzusparen, um auf diese Unsicherheit besser vorbereitet zu sein. Das führt zu einer geringeren Nachfrage. Krisenerscheinungen wie stark steigende Preise treten nur dort auf, wo die Nachfrage stark ansteigt. Das ist beispielsweise im Immobilienbereich der Fall, wo erstens viele auf “Betongold” zur Inflationsabsicherung setzen und zweitens viele im Lockdown die Zeit gefunden haben, Bauprojekte umzusetzen. Das lässt die Preise bei den benötigten Gütern ansteigen, weil in Zeiten des Lockdowns nur sehr schlecht auf diese gestiegene Nachfrage mit einer steigenden Produktion und damit einem steigenden Angebot reagiert werden kann.

Welche Rolle spielen und spielten technologische Innovationen im Rahmen dieser Krise?2021-11-08T05:20:35+01:00

Die größte Rolle spielen naturgemäß jene Innovationen, die es ermöglichen, schnellstmöglich auf die Erfordernisse der Pandemie zu reagieren. Sie sorgen für einen leichteren Umgang mit der Situation und damit dafür, dass die Pandemie für viele Menschen etwas erträglicher wird. Von diesen Innovationen sollen nun beispielhaft ein paar aufgezeigt werden.

An erster Stelle ist die Impfung zu nennen, genauer gesagt die mRNA-Impfung. Auf dieser Technologie basieren die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna. Zu mRNA-Impfungen wurde zwar bereits einige Zeit geforscht, bei den Impfstoffen der oben genannten Unternehmen handelt es sich jedoch um die ersten mRNA-Impfstoffe, die zur Impfung von Menschen zugelassen wurden.

Im Bereich der Desinfektion und Luftfilterung gab es einen riesigen Anstieg bei den Innovationen, von denen einige bereits auf dem Markt verfügbar sind, zahlreiche mehr aber in den nächsten Monaten und Jahren erwerblich sein werden. Die Innovationen reichen von tragbaren Luftreinigern über Desinfektionsgeräte, die mit UV-Licht arbeiten bis hin zu Atemtests, die innerhalb von einer Minute eine COVID-19-Infektion erkennen können.

Muss das Spannungsfeld zwischen gesundheitlicher und ökonomischer Sicherheit neu gedacht werden?2021-11-08T05:20:38+01:00

Ja. Dieses Spannungsfeld neu zu denken, ist jedoch nicht Aufgabe und Verantwortung von Experten, sondern eines jeden Einzelnen, der dann auch entsprechende Entscheidungen zu treffen hat. Denn die Situation und die Einstellungen jedes Menschen sind andere, sodass sich auch die gewünschten Verortungen in diesem Spannungsfeld deutlich voneinander unterscheiden können. Eine Vorgabe von Handlungsoptionen in diesem Spannungsfeld ist nach Möglichkeit abzulehnen, weil dies zumindest teilweise eine Entmündigung von Bürgern darstellt. Diese können dann nämlich nicht mehr diejenigen Entscheidungen treffen, die ihren Präferenzen entsprechen.

Wie ist der Bewegungsmangel vieler Menschen als Folge der Lockdowns zu sehen?2021-11-08T05:20:41+01:00