100 Fragen zu Corona2021-06-02T18:26:05+02:00
Macht es Sinn, dass die EU-Mitgliedsstaaten bei der Impfstoffbeschaffung gemeinsam vorgehen?2021-08-09T11:31:02+02:00

Es kann für eine Verbesserung der Verhandlungsposition sinnvoll sein, gemeinsam in Verhandlungen aufzutreten. Dabei können neben den Kosten für die Impfstoffe auch die Kosten der Verhandlungen verringert werden. Allerdings hat ein solches gemeinsames Auftreten auch Nachteile: Es kann nur in geringem Maß auf regionale Besonderheiten oder Wünsche eingegangen werden. Der größte potentielle Nachteil gemeinsamer Verhandlungen ist jedoch, dass sich schlechte Verhandlungen auf eine viel größere Zahl von Menschen auswirken. Auch kann aus der größeren Anzahl der Verhandlungspartner eine deutliche Verlangsamung des Verhandlungsprozesses resultieren, wodurch selbstverständlich auch das vereinbarte Geschäft erst entsprechend später durchgeführt werden kann.

Warum ging die Entwicklung eines Impfstoffs so schnell?2021-08-09T11:31:06+02:00

Innerhalb weniger als eines Jahres wurde nicht bloß ein Impfstoff entwickelt, sondern eine Vielzahl von Impfstoffen – wie beispielsweise durch Biontech, Moderna und AstraZeneca. Die beiden erstgenannten sind zudem insofern neuartig, als es sich um RNA-Impfstoffe handelt. Bisher zeigen diese Impfstoffe weniger Nebenwirkungen als Impfstoffe, die auf bereits erprobten Technologien beruhen. Bei der Impfstoffentwicklung zeigt sich, dass sich der Prozess der Zulassung von Arzneimitteln, der sich unter anderem durch Bürokratie und Regulierungen über viele Jahre zieht, deutlich verkürzt werden könnte. Es ist zwar einerseits verständlich, dass man für eine Zulassung von Arzneimitteln viele Nachweise zu erbringen hat, um die Sicherheit des Arzneimittels bestmöglich zu belegen. Weniger verständlich ist jedoch, dass man die Prozesse, anhand derer diese Sicherheit nachzuweisen ist, nicht auch für andere Arzneimittel deutlich beschleunigen kann – vor allem dann, wenn durch diese Arzneimittel Leben gerettet werden können und keine Alternativen am Markt sind.

Was würde mit den Löhnen bei so viel Arbeitslosen bzw. Kurzarbeit in einer freien Marktwirtschaft passieren?2021-08-09T11:30:54+02:00

In einer freien Marktwirtschaft würden die Löhne zunächst fallen, sodass eine schnelle Anpassung möglich wäre. Hierdurch würde die Nachfrage nach Arbeitskräften ansteigen und die Zahl der Arbeitssuchenden fallen. Die vormals Arbeitslosen bekommen dann – zwar bei geringeren Löhnen -, die Möglichkeit, produktiv und unabhängig zu sein. Wenn man diesen Trade-Off zwischen Arbeitslosigkeit und Löhnen nicht zulässt, kann man zwar das Lohnniveau der Beschäftigten etwas höher halten, erkauft dies jedoch zu dem Preis steigender Arbeitslosigkeit, für welche die Allgemeinheit aufzukommen hat, was letztlich sehr wahrscheinlich durch höhere Steuern (also Belastung der Einkommen) auch zu effektiv geringeren Löhnen führt.

Sollten jetzt die Preise eigentlich steigen oder fallen?2021-08-09T11:31:00+02:00

Das ist schwer zu sagen, weil ein deflationärer Schock als Folge der Krise auf ein stark ausgeweitetes Geldangebot trifft. Derzeit scheinen sich die beiden Effekte weitgehend aufzuheben, wobei es im Bereich der Anlagegüter zu starken Preissteigerungen kommt, was unter Umständen für das Entstehen von Vermögenspreisblasen spricht.

Die derzeit bestehende Unsicherheit sorgt dafür, dass ein großer Teil der Menschen vermehrt Geld halten, um sich gegen unvorhergesehene Ereignisse abzusichern. Weil hierdurch die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes drastisch abnimmt und sich ein deflationärer Effekt einstellt, verpufft der Effekt der ausgeweiteten Geldmenge.

Zu erwarten ist, dass die Preise dann stark ansteigen, wenn die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes wieder zunimmt, sobald die Unsicherheit (teilweise) wegfällt. Ob dann schnell genug reagiert werden kann, um eine eskalierende Inflationsspirale zu verhindern, bleibt abzuwarten. Die beiden mittel- und langfristig wahrscheinlichsten Szenarien sind erstens ein Crash samt Platzen der Vermögenspreisblasen, was stark deflationär wirken würde, und zweitens eine immer stärker ansteigende Inflation, welche durch ungünstige Politik der Zentralbanken weiter befeuert wird. Ersteres Szenario könnte im schlimmsten Fall vergleichbar mit der Weltwirtschaftskrise von 1929 sein. Zweiteres Szenario könnte zunächst der Inflationskrise der 1970er Jahre ähneln. Ein drittes denkbares Szenario ist eine sogenannte Stagflation, also eine stagnierende Wirtschaft mit (stark) ansteigenden Preisen. Dieses Szenario könnte so aussehen wie in Japan, wobei die Stagflation der 1970er Jahre Anhaltspunkte liefern kann, wie sich dieses Szenario entwickelt.

Ist HomeOffice die Rettung?2021-08-09T11:30:50+02:00

In manchen Bereichen kann Home Office sinnvoll sein, aber bei Weitem nicht überall. So ist das Home Office bei den meisten Bürotätigkeiten verhältnismäßig einfach umzusetzen (wobei auch hier auf unternehmensspezifische und private Unterschiede Rücksicht genommen werden muss – nicht alle Bürotätigkeiten können im Home Office erbracht werden). In anderen Bereichen, wie beispielsweise in der industriellen Fertigung, ist Home Office in den allermeisten Fällen keine Option, da die benötigten Kapitalgüter ortsgebunden sind.

Auch wenn das Home Office grundsätzlich möglich ist, stellt sich die Frage, ob alle Arbeitnehmer in der Lage sind, im Home Office genauso produktiv zu sein wie im Büro. Denn erstens fehlen oftmals Materialien oder Hilfsmittel im Home Office, zweitens gestaltet sich die Kommunikation mit den Kollegen schwieriger, drittens findet oftmals keine ausreichende Trennung zwischen Arbeit und Freizeit statt und viertens stellt das Home Office für viele ArbeitnehmerInnen eine Zusatzbelastung dar, insbesondere dann, wenn für Kinder im selben Haushalt gleichzeitig Home Schooling gilt. Es kann also nicht allgemein gesagt werden, dass Home Office die Rettung darstellt. Aus diesem Grund ist die Vereinbarung der Sozialpartner sinnvoll, nach der das Home Office Vereinbarungssache zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern ist und abhängig von den Erfordernissen ausgestaltet werden soll.

Wer zahlt die Löhne in der Krise?2021-08-09T11:30:56+02:00