Kurzfristig besteht bei moderater Inflation ein klarer Zusammenhang zwischen Inflation und Wirtschaftswachstum, weil in Erwartung steigender Preise der Konsum in der Gegenwart zunimmt. Das bedeutet aber auch, dass weniger Ersparnisse gebildet werden, welche eine Voraussetzung für Investitionen und damit für zukünftiges Wirtschaftswachstum sind.

Inflation sorgt also dafür, dass das gegenwärtige Wirtschaftswachstum auf Kosten des zukünftigen Wirtschaftswachstums erhöht wird. Zusätzlich sorgt Inflation für eine Verzerrung der Preissignale, die zu großen Problemen führen. Je höher die Inflation, desto größer auch die wirtschaftliche Unsicherheit, was ab einem gewissen Punkt dazu führt, dass das Wirtschaftswachstum auch in der Gegenwart an der Inflation leidet.

Ein gesundes und nachhaltiges Wirtschaftswachstum zeichnet sich meist durch sinkende Preise, also Deflation, aus. Gesamtwirtschaftlich stellt der wirtschaftliche Aufstieg der USA hierfür ein gutes Beispiel dar, wo andauernde deflationäre Perioden mit einem extrem hohen Wirtschaftswachstum einher gingen. Wenn man auf einzelne Wirtschaftsbereiche abstellt, sieht man ein ähnliches Bild: Der IT-Sektor beispielsweise erzielte in den relativ unregulierten Anfangszeiten ein extrem hohes Wachstum bei einem gleichzeitigem Preisverfall. Das zeigt, dass die Annahme, Inflation würde Wirtschaftswachstum fördern, hinterfragt werden sollte.